Langjähriger Neonazi unterstützt Landratskandidat Riethig

Querformatbild. Links steht AfD Kreisverbansvorsitzender der AfD Göttingen Justin Vogel mit einem hellblauen Blazer, rechts Dennis Kulipper, Glatze, Brille, hellem Rauschebart mit einer Security Jacke vor einer weiß verputzten Wand.

AfD Göttingen Kreisvorsitzender Justin Vogel neben Dennis Kulipper als Security bei Bürgerdialog am 14.08.2026 in Scharzfeld | Foto: Nico Kuhn

Der Neonazi Dennis Kulipper unterstützt den suspendierten Landrat Marcel Riethig in einem Youtube-Format. Das haben Recherchen des Antifaschistischen Bildungszentrums und Archivs Göttingen (ABAG) ergeben.

Am 9. September 2026 veröffentlichte eine Hann. Mündener Marketingagentur auf Youtube ein Video, mithilfe dessen sich der suspendierte Göttinger Landrat Marcel Riethig als Opfer einer Diffamierungskampagne darstellt. Als Leumund für sein freundliches Auftreten innerhalb der Göttinger Kreisverwaltung tritt in dem Video der Neonazi Dennis Kulipper auf. Kulipper, ehemals Franke ist mindestens seit dem Jahr 2007 in der Neonazi-Szene aktiv.

Vier Tage vor der Kommunalwahl in Niedersachsen lässt sich der inzwischen parteilose Landratskandidat Riethig von zweifelhafter Seite unterstützen. In dem veröffentlichten Video tritt Kulipper als Verwaltungsjurist auf, der bis 2023 als Sachbearbeiter in der Ausländerbehörde des Landkreises Göttingen arbeitete. Brisant gerade in diesem Arbeitsfeld ist seine Vergangenheit und auch seine gegenwärtige politische Haltung.

Kulipper, ehemals Franke, wurde 2007 wegen Beteiligung an einem gewalttätigen Angriff in Pölchow auf linksalternative Jugendliche verurteilt. 2009 wurde er in einem Bildband porträtiert, als er einem jungem Neonazi ein Hakenkreuz auf den Oberarm tätowierte.

Querformatbild. Dennis Franke tätowiert links im Bild sitzend ein Neonazi mit Glatze und oberkörperfrei ein Hakenkreuz auf den Oberarm. © Pieter Wisse | Bestand: ABAG

Dennis Franke tätowiert 2009 links im Bild sitzend ein Neonazi mit Glatze und ober körperfrei ein Hakenkreuz auf den Oberarm. © Pieter Wisse | Bestand: ABAG

Bis vor kurzem teilte er über sein im August 2026 gelöschtes Instagram Profil immer wieder Beiträge, die sich positiv auf die NS-Zeit beziehen oder rassistische Inhalte zeigen. Aus seinen Beiträgen lässt sich eine Übereinstimmung mit anderen faschistischen Akteuren herauslesen. Bis zum Löschen seines Accounts folgte Kulipper beispielsweise Götz Kubitschek, den AfD Kreisverbänden Göttingen und Northeim, der neonazistischen Bekleidungsmarke Kampfgeist – in Blood we Trust und weiteren extrem rechten Accounts.

Außerdem teilte er einen rassistischen Beitrag von Phillip Neumann, welcher im Bundesvorstand der neonazistischen Partei Die Heimat (ehemals NPD) sitzt und Schlagzeuger der Neonaziband Flak ist.

Als Mitarbeiter der Sicherheitsfirma SHR-Security, welche regelmäßig für AfD-Veranstaltungen im Dreiländereck gebucht wird, war Kulipper am 14. August 2026 bei dem AfD-Bürgerdialog in Scharzfeld im Landkreis Göttingen tätig. Er wird für die Firma außerdem als Ansprechpartner für Niedersachsen geführt.

Insgesamt fügt sich daraus ein Bild zusammen, nach welchem sich eine deutliche Kontinuität von Kulippers extrem rechten Ansichten zeichnen lässt. „Der Fall Kulipper beweist einmal mehr, dass Neonazis nicht einfach in der Versenkung verschwinden.“, sagte ein Mitglied des Antifaschistischen Bildungszentrum und Archiv Göttingen.

„Es ist für Demokrat*innen höchst bedenklich, dass Marcel Riethig am 5. September 2026 auf dem Demokratiefest in Herzberg mit SHR-Mitarbeiter Kulipper posiert und sich wenige Tage vor der Kommunalwahl durch diesen unterstützen lässt. Riethig muss hier umgehend für Aufklärung sorgen: Kannte er Kulippers politische Ansichten oder sympathisiert Riethig gar mit extrem rechten Positionen?“, so das ABAG abschließend.

Das Antifaschistische Bildungszentrum und Archiv Göttingen dokumentiert im Rahmen einer Chronik extrem rechte Vorfälle für das Dreiländereck Niedersachsen/Thüringen/Hessen.

Rechte, rassistische, antisemitische und queerfeindliche Vorfälle können unter chronik@antifaschistisches-archiv.org, per Signal Messenger an die Nummer +49 1521 96665059 oder über das Kontaktformular auf der Homepage gemeldet werden.